Moderne Zahnmedizin
Shownotes
Seit dem 1. September 2024 leitet Prof. Dr. Samir Abou-Ayash die Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde an der Universitätsmedizin Mainz. Im Gespräch mit Prof. Dr. Ralf Kiesslich berichtet er über seine Schwerpunktthemen digitale Zahnmedizin und Zahnmedizin im Alter, erläutert die Vorzüge, von Studierenden im Rahmen ihres Medizin-Studiums behandelt zu werden, und beschreibt die Zusammenarbeit der vier zahnmedizinischen Kliniken an der Universitätsmedizin Mainz.
Sein Fachgebiet, die Prothetik, beschäftigt sich mit der Herstellung von Zahnersatz, berichtet Samir Abou-Ayash. Dabei kommen inzwischen überwiegend digitale Technologien zum Einsatz: „Wir formen den Kiefer heute zumeist mittels lichtbasierter Scanner digital ab. Das ist nicht nur angenehmer als früher mit der Abdruckmasse, es ist vor allem genauer und dadurch können wir Zahnersatz herstellen, der wunderschön passend ist.“ Bei der Herstellung des Zahnersatzes kommen dann die Werkstoffkunde und neue Fertigungsverfahren, allen voran der 3D-Druck, ins Spiel. „Hier haben wir eine riesige Bandbreite an Materialien zur Auswahl, von Keramiken über Metalle bis hin zu Kunststoffen. Ein ganz spannendes Feld!“ Praktische Tipps zum richtigen Zähneputzen und wie Patient:innen einen Termin in der Zahnklinik bekommen, dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Zahnklinik.
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In der Reihe „Inside UM“ interviewt Ralf Kiesslich, Vorstandsvorsitzender der Unimedizin Mainz, Persönlichkeiten aus der UM. Ihr habt noch Fragen? Schreibt uns an pr@unimedizin-mainz.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:03: Spannender Einblicke für alle.
00:00:07: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:11: Heute geht es um das wichtige Thema Zahnheilkunde und da um die zahnärztliche Prothetik und die Werkstoffkunde.
00:00:18: Und hier haben wir einen neuen Klinikdirektor an der Universitätsmedizin Mainz.
00:00:22: Ich freue mich sehr, dass er heute da ist.
00:00:24: Herzlich willkommen, sehr geehrter Herr Professor Aboajash.
00:00:27: Vielen
00:00:27: Dank für die Einladung.
00:00:28: Wie schön, dass Sie da sind.
00:00:30: Was versteht man denn unter zahnärzlicher Prothetik?
00:00:33: Ist es das Gebiss?
00:00:34: Sind es Implantate?
00:00:35: Welche Dinge werden von Ihnen kreiert, um den Menschen ein besseres Kaun und auch bessere Muntikjene zu ermöglichen?
00:00:43: Ich glaube, Prothetik, da kann sich ja jeder was darunter vorstellen, eine Prothese.
00:00:48: Das ist im Mund nichts anderes in der zahnmedizinischen Prothetik, sondern da geht es einfach um den Ersatz von Mundstrukturen.
00:00:55: Das können ganz banal Zähne sein oder Teile von Zähnen, von der Zahn-H-Substanz, die verloren gegangen ist.
00:01:01: Aber das können auch... Im Bereich der abnehmbaren Prothetik, wir unterscheiden, ob wir da so was Festes drauf machen oder ob man das rausnehmen kann, kennt man ja häufig von den Großeltern noch, sieht heute ein bisschen anders aus.
00:01:14: Aber da ersetzen wir auch andere Strukturen, nicht nur Zähne, sondern auch, ich sag mal, Zahnfleisch, Knochen und nicht durch Biomaterialien.
00:01:23: Sonst wäre es, der Bereich gehört eher in die Chirurgie, sondern tatsächlich mit künstlichen Materialien.
00:01:29: Und da kommt natürlich dann die Werkstoffkunde ins Spiel.
00:01:32: Da haben wir Riesenbandbreite von Keramiken, Übermetalle, Überkundstoffe.
00:01:37: Und dann kommen noch die neuen Fertigungsmethoden, drei D-Druck, drei D-Druck von Metallen, drei D-Druck von Kunststoffen, ganz neue Keramiken, ganz spannendes Feld.
00:01:47: Und das ist so, wie die Werkstoffkunde in die Zahnersatzkunde, in die Protetik reinkommt.
00:01:52: Das muss ja alles immer sehr genau passen.
00:01:54: Und da ist, glaube ich, die Digitalisierung so wichtig, weil man ja drei D modellieren muss.
00:01:58: Wie gehen Sie davor?
00:01:59: Was sind da neue, vielleicht auch Forschungsansätze?
00:02:02: Und welche Materialien würden Sie aktuell empfehlen?
00:02:04: Es ist, ich glaube, so die Horrorvorstellung, die jeder vom Zahnarzt hatte.
00:02:09: Es kennt jeder so von klein auf diese Abdruckmasse, die man so in den Mund bekommt.
00:02:14: Und dann läuft das hinten runter und man hat das Gefühl, man erstickt.
00:02:17: Und davon kommen wir halt heute mit diesen digitalen Technologien sehr schön weg.
00:02:21: Wir formen virtuell digital ab, das heißt mit einem Scanner, ein Licht, das auf eine Oberfläche trifft, reflektiert wird und dann den ganzen Kiefer abscanned.
00:02:32: Das ist nicht nur angenehme, es ist heute genauer, das ist das Tolle.
00:02:37: Und dadurch können wir natürlich Zahnersatzherstellen, der wunderschön passend eben auf diese Zähne kommt.
00:02:44: Trend, ganz klar, hin zu Keramiken.
00:02:48: Sie sind natürlich für Forschung und Lehre auch zuständig.
00:02:51: Gerade in der Lehre ist ja wichtig, dass die Studentinnen und Studenten das lernen.
00:02:56: Also die erste Frage, wie bekomme ich überhaupt einen Termin bei Ihnen, bei uns?
00:03:00: Und wie nehmen Sie vielleicht die Résentiments weg, dass Sie sagen, ich werde ja von einem Studentenbehandel, der das noch nie gemacht
00:03:06: hat.
00:03:07: Also die Studentenbehandlung ist erstmal fantastisch.
00:03:10: Fangen wir vielleicht an.
00:03:12: Wie kommt man zu uns?
00:03:13: Wie bekommt man einen Termin?
00:03:15: Es gibt einmal, immer morgens bei uns auf der Klinik eine offene Sprechstunde, Walk in, man bekommt einen Termin.
00:03:22: Vielleicht mit ein bisschen Wartezeit, ich glaube, ist klar, wie beim Friseur, wenn man ohne Termin kommt, man kommt irgendwann dran, aber man weiß es nicht.
00:03:32: Und dann gibt es natürlich die Möglichkeit, einfach vorher anzurufen, einen Termin zu vereinbaren.
00:03:37: Wir haben da eine Aufnahme, sag ich mal, aber für die Bestandspatienten, natürlich sind die alle in einem Zahnarzt zugeordnet und dann haben sie ihren festen Zahnarzt.
00:03:46: so kommen, die Patienten im Endeffekt an den Termin.
00:03:49: Und dann gibt es Patienten, die eventuell im Studentenkurs behandelt werden können, behandelt werden möchten.
00:03:55: Und ich finde es eine ganz tolle, das finde ich ganz toll, in der, ich sag mal, dass man die Studierenden unterstützt, aber auch die Patienten haben einen riesigen Benefit davon.
00:04:06: Wenn man sich vorstellt, man kommt zum Zahnarzt, dann hat man einen Behandler.
00:04:11: Der sieht das.
00:04:12: Im Studentenkurs ist es so, man hat den Studierenden, dann hat jeder Studierende einen Assistenzzahnarzt und dann gibt es in der Kursleitung immer noch einen Oberarzt, eine Oberärztin.
00:04:23: Und dann haben wir natürlich sechs Augenprinzip anstatt zwei Augenprinzip.
00:04:28: Und wenn es dann nochmal ganz knifflig wird, dann kommt auch der Chef dazu, guckt sich das auch nochmal mit an.
00:04:32: Also es ist natürlich so, dass wir dadurch sehr viel mehr, sehr viel, ich sag mal, breiter aufgestellt sind, als wir es in der eins zu eins Behandlung sind.
00:04:41: Ja, und das ist natürlich ein Riesenbenefit im Studentenkurs.
00:04:44: Trotzdem wollen natürlich auch viele Menschen zu Ihnen kommen, weil Sie auch einen Schwerpunkt haben, Altersmedizin.
00:04:49: Also dann, wenn die Menschen oft auch andere Erkrankungen haben, da muss man einem Team zusammenarbeiten, wie gehen Sie davor?
00:04:56: Wir gehen das... ich sag mal synoptisch an.
00:05:00: Wir arbeiten hier sehr eng mit den Kliniken in Haus, aber auch extern zusammen.
00:05:04: Sie sagen es ganz richtig, der ältere Patient, wir sind Zahnmediziner.
00:05:08: und dann, wir haben das mal, wir haben das in meiner vorigen Station in Bern mal erhoben, wie viele Medikamente die Patienten älter als seventy-fünf nehmen, die standardmäßig zu uns kommen.
00:05:19: Das waren elf Medikamente im Schnitt.
00:05:21: Und das als Zahnarzt zu überblicken ist für mich unmöglich.
00:05:27: Ja, und da brauchen wir die Kooperation eben mit den umliegenden Kliniken.
00:05:31: Aber mit Professor Hart von der Geriatrie ist der Kontakt schon hergestellt, weil wir hier natürlich eine ganz enge Zusammenarbeit anstreben, auch was dann die Betreuung nach dem Zahnersatz angeht.
00:05:42: Man denkt immer, für uns Zahnärzte ist die Behandlung abgeschlossen, wenn so eine Prothese, sag ich mal, eingegliedert ist.
00:05:48: Aber nur weil die Prothese eingegliedert ist, heißt es nicht, dass der Patient damit umgehen kann.
00:05:53: Und da geht es nicht um das Handling, da geht es um die einfachen Sachen, wie sprechen.
00:05:56: Kaun, Ernährungsberatung.
00:05:59: Zentrenbildung oder Departementbildung wird ja in vielen Stellen gemacht.
00:06:02: In der Zahn-Heil-Kunderung und im Medizinmeins gibt es das ja schon.
00:06:06: Also wie findet der Patient den richtigen Weg zu seinem Experten?
00:06:10: oder wird er da gelenkt?
00:06:11: durch das Zentrum?
00:06:12: Der wird absolut durch das Zentrum gelenkt.
00:06:15: Wir haben im Haus vier Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
00:06:21: Und ich sage mal, bei uns schlägt ein Patient auf, der braucht Zahnersatz.
00:06:25: Bei dem erkennen wir aber zunächst, dass er eine Parodontitis hat.
00:06:29: Dann geht er auf eine andere Klinik zu Professor Deschner.
00:06:32: Da wird die Parodontitis von den Spezialisten dort behandelt.
00:06:36: Dann kommt er zu uns zurück, dann planen wir den Zahnersatz und eventuell brauchst du dann noch Implantate.
00:06:42: Dann geht er zu Professor Al Nawaz, bekommt die Implantate, kommt wieder bei uns.
00:06:46: auf die Klinik und dann bekommt er den Zahnersatz auf die Implantate.
00:06:50: Und so lenken wir die Patienten und deswegen ist das Eingangstor bei uns auf die Klinik, ob das jetzt die Polyklinik für Paradontologie ist oder ob das die Polyklinik für Prothetik ist, relativ egal, weil der Patient dann eben so synoptisch behandelt wird, je nach Schwerpunkt.
00:07:07: Und das ist, glaube ich, der große Vorteil von so einer Universitätszahnklinik.
00:07:11: Welcher Fall ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben, weil Sie irgendetwas erreicht haben, was vorher so nicht ging oder was für den Patienten einfach eine besondere Erleichterung ergeben hat?
00:07:21: Ich habe einen Patientenfall und denke zurück an mein Studium, müssen Sie sich vorstellen.
00:07:26: Wir hatten eine Veranstaltung, Chirurgische Polyklinik.
00:07:29: Dort wurden Patienten vorgestellt.
00:07:30: Es war ein Herr mit einer Mucormykose, dieser aggressive Pilz, die Mucormykose.
00:07:38: vom Mundraum bis ins Gehirn gewandert ist, die Augen wurden ersetzt, die Sehnerven wurden angegriffen und die Lebenserwartung für diesen Patienten war zwei Jahre.
00:07:48: Sechs Jahre später kam der Patient zu mir, ich damals noch in Freiburg tätig und ich durfte ihn prothetisch versorgen.
00:07:55: Und es ist so ein prägender Fall, weil es so inspirierend war, wie positiv dieser Patient weiter durchs Leben gegangen ist, wie Herz ergreifend, sich seine Frau um ihn gekümmert hat und er hat nicht mit seinem Schicksal gehadert.
00:08:10: So eine Mokormykose kommt in der Regel vor bei immunsuprimierten Patienten nach Strahlentherapie irgendwie sowas in die Richtung und bei ihm war es unerklärlich.
00:08:21: Und es war natürlich ein Schicksal, es hat mich wirklich tief berührt.
00:08:24: und es war, als ich verstanden habe, welcher Patient da vor mir ist, es war so ein schönes Gefühl und es war so schön.
00:08:32: ihm am Ende Lächeln ins Gesicht zurückzuzaubern, ihm eine Kauffunktion wiederzugeben.
00:08:37: Der Mann hatte keine Zähne mehr, der für keinen Kiefer kam mehr, nichts mehr, wo man Zahnersatz befestigen konnte.
00:08:43: Und wir haben am Ende eine Lösung gefunden.
00:08:45: Und es war schon sehr ergreifend.
00:08:48: Die allerletzte Frage, dann drängt sich ja auf Zahngesundheit.
00:08:51: Was sind so die Empfehlungen, die aus ihn heraus sprudeln, wenn sie einer danach fragen würden, was machen Sie denn, um die Zähne gesund zu halten?
00:08:58: Ich persönlich.
00:08:59: Na klar.
00:09:00: Na klar.
00:09:01: Zähne putzen.
00:09:02: Zweimal am Tag.
00:09:03: Minimum.
00:09:04: Elektrisch oder normal?
00:09:05: Ganz genau, darauf wollte ich hinaus.
00:09:07: Elektrisch.
00:09:08: Viel einfacher.
00:09:09: Wir wissen heute, natürlich kann man mit einer Zahnbürste ein ähnliches Putzergebnis erzielen, wie mit einer elektrischen.
00:09:14: Das schöne Wort ist, man kann.
00:09:17: Mit der elektrischen ist es einfach die Wahrscheinlichkeit deutlich höher.
00:09:22: Und eine ganz einfache Regel, wenn man die befolgt, hat man eigentlich nahezu gewonnen.
00:09:30: Vorm Schlafengehen.
00:09:31: Nach der letzten Mahlzeit Zähne putzen.
00:09:33: Nicht zähne, ich versuch's mal im zweijährigen Sohn gerade beizubringen, ist nicht so einfach.
00:09:37: Nach dem Zähne putzen, nix mehr essen.
00:09:40: Dann ist es einfach.
00:09:42: Vielen Dank für das Interview.
00:09:43: Super gern.
00:09:44: Herzlichen Dank nochmal für die Einladung.
00:09:45: Meine sehr verehrten Damen und Herren, das war spannend.
00:09:47: Es ging heute um Zahngesundheit.
00:09:49: Jedenfalls elektrische Szene putzen ist ganz wichtig, aber vielmehr noch darum, dass Herr Aboah Yash bei uns der neue Klinikdirektor ist für die zahnärztliche Prothetik und die Werkstoffkunde.
00:10:00: Wir haben gelernt, wie viele tolle neue Techniken da sind und dass es sich lohnt, sich in der Unimedizin mal ins Vorzustellen.
00:10:06: Man kann auch einfach hineinlaufen, aber besser ist noch vorher anzurufen und auch keine Angst vor der studentischen Behandlung.
00:10:13: Da sind noch zwei, drei andere dabei, die genau aufpassen, dass alles richtig passiert und auch für die älteren Patienten jetzt ganz tolle neue Möglichkeiten, die wir mit dem neuen Kollegen hier haben.
00:10:23: Und wenn Sie mehr wissen wollen, was an der Universitätsmedizin Mainz passiert, dann schalten Sie wieder ein in vierzehn Tagen, wenn es heißt Inside UM Mainz.
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