Leukämie-Forschung

Shownotes

„Bei Leukämien haben sich die Heilungschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert“, kann Michael Kühn gleich zu Beginn des Gesprächs mit Ralf Kiesslich in dieser Folge berichten. „Wesentliche Aspekte sind dabei, dass wir Innovationen aus der Forschung jetzt in die Klinik bringen, weil wir die Krankheitsmechanismen besser verstehen.“

Um künftig noch bessere und vor allem auch verträglichere Therapien für Blutkrebs zu entwickeln, ist Michael Kühn nicht nur Arzt, sondern auch Forscher – die von ihm geleitete Forschungsgruppe beschäftigt sich insbesondere mit der Akuten Myeloischen Leukämie (AML). Für den Leiter des Schwerpunktes Akute Leukämien an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik sind Clinician Scientists – also forschende Mediziner:innen – dabei sehr wichtig für Innovationen in der Medizin: „Sie haben sozusagen ein Bein im Forschungslabor und ein Bein in der Krankenversorgung und können so die relativ große Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung überwinden.“

Ein sehr gutes Beispiel, wo dies par excellence gelungen ist, ist die Entdeckung der sogenannten Menin-Inhibitoren als neue Therapie-Option bei der häufigsten Form der AML– eine echte Erfolgsgeschichte, die Michael Kühn in dieser Folge eindrucksvoll schildert. Kürzlich ist dazu die EVOLVE II-Studie gestartet – eine große internationale Phase III-Studie, an der die III. Medizinische Klinik und Poliklinik der UM federführend beteiligt ist.

Anlässlich des Weltblutkrebstages hat die Universitätsmedizin Mainz in einer Pressemeldung ausführlich über die erwähnte Studie berichtet.

Weitere Informationen gibt es hier.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Insight Universitätsmedizin Mainz.

00:00:03: Spannender

00:00:03: Einblicke für alle!

00:00:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Insight-UniversitätsMedizin MainZ.

00:00:10: Heute beleuchten wir das ernste, aber doch wieder hoffnungsvolle Thema Blutkrebs Denn es gibt ganz viele neue Ansätze wie man hier forschen kann und neue Therapien anbieten Und das möchte ich gerne näher wissen und dazu ist hier Professor Michael Kühn.

00:00:25: herzlich Willkommen dass Sie da sind.

00:00:27: Vielen Dank sehr gerne.

00:00:29: Sie sind Oberarzt an der dritten medizinischen Klinik und verantworten auch das Zentrum Leukämie- und Lymphome.

00:00:35: Und die erste Frage, was kann man sich dahinter vorstellen?

00:00:38: Welche Arten der Leukemien gibt es?

00:00:41: Wir haben vielleicht auch die Heilungschancen in den letzten Jahren verändert.

00:00:47: Da muss man sagen... Das ist eine sehr heterogene Erkrankung.

00:00:53: Gerade wenn man über Lymphdrüsen gräbt, Lymphomene redet, dann ist da schon etwas anders als Leukemien.

00:00:59: Bei Leukamine ist es so, dass sich die Heilungschancen in den letzten Jahren schon deutlich verbessert haben.

00:01:04: Also eigentlich in den vergangenen Jahrzehnten und ganz wesentliche Aspekte sind hier, dass wir im Grunde genommen Innovation aus der Forschung jetzt in die Klinik bringen, weil wir die Krankheitsmechanismen besser verstehen.

00:01:17: Das wäre schon fast die Frage was sie antreibt jeden Tag?

00:01:20: Weil Sie sind ja nicht nur Kliniker als Arzt tätig sondern sie forschen auch.

00:01:24: Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?

00:01:27: Ja, also was mich antreibt da muss ich eigentlich mit den Erkrankungen anfangen.

00:01:31: Das sind katastrophale Erkankung das muss man so sagen.

00:01:34: Also akute Leukämien führen direkt zum Tod relativ schnell eigentlich immer und sind auch sofort behandlungsbedürftig.

00:01:42: Und dann muss man auch sagen dass die Therapie die eigentlich potenziell heilend ist Die ist durchaus auch eine Zumutung für die Patienten langwierig und mit vielen Nebenwirkungen.

00:01:53: Und leider auch nicht immer erfolgreich, das sind schon gute Motivationsgründe um sich in der Krankenversorgung wahnsinnig anzustrecken.

00:02:01: Ich glaube Sie haben ganz viele Patienten Schicksale vor Augen.

00:02:03: aber wenn sie vielleicht ein Schicksal mal beschreiben was ihnen vielleicht auch nahe gegangen ist wo man schnell handeln muss oder wo man noch einen großen Erfolg hatte... Was sind das für Momente?

00:02:15: Also ganz konkret ist mir präsent ein Fall den wir ... relativ vor Kurzem in der Klinik hatten.

00:02:22: Das ist ein ... ... forty Jahre alter Winzer, der eigentlich vorher noch nie irgendwelche Erkrankungen hatte... und der kam zu uns mit einer ganz seltenen Form der akuten myologischen Leukämie,... die früher eigentlich immer so als die aller aller schlimmste Leukemie galt..., weil die Patienten furchtbare Blutgerinnungsstörungen entwickeln... früher alle verblutet sind.

00:02:46: Wir erkennen den Mechanismus dieser Erkrankung und sind in der Lage, nahezu alle Patienten mit Vitamin A und Asen zu heilen, also chemotherapiefrei.

00:02:58: Dieser Patient kam aber schon mit dem Vollbild dieser Erkrankungen, also einer schweren Gerinnungsstörung – das muss man sagen.

00:03:06: die Sterblichkeit am Anfang wahnsinnig hoch immer noch!

00:03:10: Wir haben das am Abend diagnostiziert, wir haben dann in der Nacht noch angefangen mit der Therapie und er hat in der ersten Phase der Erkrankung sehr viele Komplikationen gehabt unter anderem auch einen schweren Herzinfarkt.

00:03:22: Und es hat er dann nur dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Kardiologen überstanden.

00:03:28: Jetzt haben wir ihn entlassen vor zwei Wochen nach der ersten Therapie mit einem normalen Blut Knochenmark und da ist auch die Leukämie molekular im Knochemark nicht mehr nachweisbar.

00:03:39: Und der Fall ist mir präsent, weil er halt zeigt was wir können in der Leukemietherapie inzwischen und auch was so eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wie notwendig das ist.

00:03:50: Ich kann mir vorstellen dass da eine enge Bindung auftritt zwischen Arzt- und Patient.

00:03:55: Die Arzpatientbindung ist eine ganz besondere.

00:03:57: alles geht, um Leben und Tod.

00:03:59: Wie sind die Verbindungen zu Patienten, die gut überlebt haben?

00:04:03: Die auch mit guter Lebensqualität dann in der Nachsorge sind.

00:04:06: Ist das was Besonderes sich wiederzusehen nach seiner gemeinsamen erlebten schweren Zeit?

00:04:12: Ja also man muss sagen dass die Nachbeobachtungszeit gar nicht so lang ist wie wir das von vielen anderen Krebserkrankungen kennen weil wenn die Patienten nach zwei Jahren keinen Rückfall gehabt haben dann gelten sie als geheilt Und es ist auch tatsächlich schon für viele Patienten immer doch eine sehr, na ja fast traumatische Zeit.

00:04:30: So diese Zeit der intensiven Behandlung so dass viele dann gar nicht mehr so viel damit zu tun haben wollen.

00:04:36: aber Es ist tatsächlich die Patienten die man sieht die wieder ihr normales Leben führen.

00:04:41: das ist wirklich sehr befriedigend.

00:04:44: Man kann gut nachvollziehen dass sie eben nicht nur Arzt sein wollen sondern auch Forscher weil Sie bedrückt sind von der manchmal schwierigen Prognose dieser schweren Erkrankung.

00:04:52: Und dann haben Sie eine ganze Forschergruppe, Eminöta-Programm nennt sich das von der Deutschen Forschungsgesellschaft.

00:04:58: Da gibt es sowas wie Clinician Scientists.

00:05:01: Vielleicht führen sie das mal aus?

00:05:03: Weil vielleicht die Verbindung darstellt zwischen Klinik und Forschung, wie man's am besten auch darställt.

00:05:10: Ja also, Clinician scientists... Das ist schon was glaube ich sehr wichtig für die Innovation in der Medizin.

00:05:16: Clinician Sciences sind ja erstmal umforschende Mediziner die einen Beinen im Forschungslabor haben und einen Bein in der Krankenversorgung.

00:05:25: Und dadurch eben auch diese relativ große Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung überbrücken können, und die sind aus meiner Sicht gerade für diese Übertragung der Wissenschaft oder des wissenschaftlichen Denkens in die akademische Medizin – das sind eigentlich die Träger davon – und damit auch die Treiber der Innovationen.

00:05:45: Das ist in der Onkologie und gerade in der Leukämie-Forschung natürlich wahnsinnig wichtig!

00:05:49: Wie kriegt man das gut, arrangiert und organisiert?

00:05:51: Weil manchmal ist die Klinik ja doch sehr zehrend.

00:05:54: Und man muss dann etwas länger arbeiten weil es gerade um Therapien geht.

00:05:57: auf der anderen Seite ist vielleicht die Forschungsgruppe und die Forschung arbeit auch da wie kann man das Gut managen?

00:06:03: wir können sie da auch eine Hilfestellung geben.

00:06:06: also was zentral ist dass man Phasen hat wo man auch glaube ich von der Krankenversorgung befreit ist Ja und da vielleicht auch eine Finanzierung hat.

00:06:15: Da haben wir in Mainz ein tolles Programm dass das unterstützt Weil es natürlich schon so ist, wenn man den kranken Menschen vor sich hat.

00:06:22: Das geht dann immer vor und die Forschung ist schon sehr demanding, wenn wir da sozusagen wirklich Dinge verändern wollen.

00:06:31: Und das ist glaube ich die zentrale Frage.

00:06:34: Auf der anderen Seite ist auch eine tolle Chance.

00:06:36: Das muss man sagen weil es ist das Interessante dass man eigentlich zwei Berufe hat, die sehr unterschiedlich sind Und gerade auch zum Beispiel Familiengründungsphase ist diese Zeit, die man an einem Forschungslabor hat.

00:06:48: Das ist dann auch etwas was ein bisschen Flexibilität gibt

00:06:52: und ihnen und ihre Arbeitsgruppe ist was besonders gelungen nämlich einen molekularen Mechanismus zu entschlüsseln der wahrscheinlich die Therapie der akuten Leukämie verbessern könnte.

00:07:02: Menininhibitoren ist das Schlagwort?

00:07:04: Was haben Sie festgestellt und welche Art von Studien oder Forschung werden jetzt folgen.

00:07:10: Erstmal hat das relativ molekular, also mechanistisch angefangen und zwar haben wir entdeckt dass bei der häufigsten Subformen der akuten myologischen Leukämie für das es eigentlich kein bisher den Krankheitsmechanismus nicht so richtig aufgeschlüsselt war.

00:07:24: Dass da ein Eiweiß eben nie mit einem anderen sich verbindet in der Zelle und das treibt einen Leukemie Unterhaltungsprogramm Und wir haben damals im Forschungslabor in Leukämie-Modellen diese beiden Eiweiße medikamentös gehemmt.

00:07:40: Das hat dazu geführt, dass die Leukemitzellen gestorben sind und teilweise sich weiter differenziert haben in normale Blutleukozytten.

00:07:49: Weil das eben die erste Therapie für diese Leukemieform war, sind dann gleich ganz viele Pharmaunternehmen auf dieses Projekt gesprungen und haben Medikamente entwickelt, also richtige orale Pillen die jetzt in klinischen Studien sind.

00:08:05: Und es ist so dass die dramatische Ansprechraten gezeigt haben bei eigentlich austherapierten Patienten.

00:08:12: So hat die amerikanische Arzneimittelbehörde im letzten Jahr sogar das erste Medikament vorläufig zugelassen für die Behandlung von solchen Patienten.

00:08:21: Und trotzdem geht die Forschung weiter.

00:08:22: Sie koordinieren ja eine weltweite und große Studie.

00:08:26: Warum braucht man das noch zusätzlich, wenn es doch schon die Zulassungsstudie gibt?

00:08:30: Ja also wir nehmen jetzt Menin-Inhibitoren und tragen sie in der Erstlinientherapie.

00:08:37: Das machen bei Patienten in dieser Studie, die bisher noch nicht behandelt wurden und vor allen Dingen für so eine intensive Chemotherapie aufgrund zum Beispiel von Nebenerkrankungen nicht in Betracht kommen.

00:08:50: Wir machen das nicht als Einzelsubstanz, sondern in Kombination mit der bisherigen Standardtherapie.

00:08:56: Unsere Hoffnung ist natürlich, dass wir jetzt das Überleben dieser Patienten mit dieser Triplette drei Medikamenten verbessern und meine Hoffnung auch, dass der einzelne Patient vielleicht mit dieser relativ mildenden Therapie sogar geheilt wird von einer Erkrankung.

00:09:10: Eine abschließende Frage von mir.

00:09:12: Sie beschäftigen sich so sehr mit der Gesundung von Patienten, die schwer krank sind?

00:09:16: Haben sie selber für sich was gelernt?

00:09:18: Machen sie etwas anderes im Alltag um gesünder vielleicht durchs Leben zu kommen?

00:09:23: Was ist da ihre Gedanke?

00:09:25: Ja, also ich glaube da haben sie völlig recht.

00:09:27: Das zeigt einem immer ganz gut wie das Leben eben doch endlich ist und es lenkt auch so ein bisschen den Blick auf das eigene Leben was wirklich wichtig ist.

00:09:37: Also mir macht sehr viel Freude dann nach Hause zu kommen mit meiner Familie etwas zu machen Und das Familienleben wird dominiert durch die Hobbys der Kinder Ballett und Fußball und Fußball.

00:09:47: das ist etwas was für mich auch mal Berufswunsch war und nicht nur Hobby.

00:09:53: Vielen Dank für das Interview.

00:09:55: Meine sehr verehrten Damen und Herren, das war hochspannend denn es ging um akute Leukämien also Blutkrebs und ist eine sehr ernste Erkrankung wo man auch vom Tod bedroht sein kann und mit ganz intensiven Therapien ganz neue Möglichkeiten hat.

00:10:08: und ich habe heute neu gelernt dass wenn man das Ganze überstanden hat und zwei Jahre tumorfrei dass man dann auch als Gehalt gilt und dass es ganz neue Angriffspunkte gibt wie man die Therapie nochmal verbessern kann.

00:10:21: gute und positive Neuigkeiten.

00:10:24: Und es macht sicherlich wieder Spaß, wenn Sie in vierzehn Tagen einschalten, wenn es wieder heißt Inside Universitätsmedizin Mainz!

00:10:32: Wenn euch der Beitrag gefallen hat, abonniert Inside Universität Medizin MainZ über ein Podcast Anbieter eurer Wahl.

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