Leberchirurgie
Shownotes
„Wir haben viele Patient:innen auf der Liste, die durch ein Organ gerettet werden könnten, aber nie eine Chance auf ein Organ haben“, schildert Hauke Lang den eklatanten Mangel an Spenderorganen in Deutschland. Der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie transplantiert mit seinem Team etwa 50 Lebern im Jahr. Damit gehört die Klinik zu den größten Lebertransplantationszentren in Deutschland – und doch sagt Hauke Lang: „50 Lebern sind viel zu wenig, um den medizinischen Bedarf zu decken und um Nachwuchs auszubilden.“
Im Gespräch mit Ralf Kiesslich geht es in Folge 33 der Reihe „Inside UM“ auch um die Entwicklung der Leberchirurgie insgesamt. „Es wird auch im Bereich der Leberchirurgie eine personalisierte Medizin geben, da immer mehr molekularbiologische Ergebnisse in die Operationsplanung einfließen“, wirft Hauke Lang einen Blick in die Zukunft. Die Themen Augmented Reality und Virtual Reality spielen hier ebenfalls eine immer größere Rolle – ebenso wie 3D-gedruckte Lebern, die eins zu eins die Leber eines Patienten abbilden. „Diese Lebern drucken wir, um uns während einer Operation besser orientieren zu können. Wir forschen auf all diesen Gebieten, weil wir als Exzellenzzentrum für Leberchirurgie nicht nur der Krankenversorgung, sondern auch der Forschung verpflichtet sind.“
Weitere Informationen: https://www.unimedizin-mainz.de/avtc/
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Transkript anzeigen
00:00:00: Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:03: Spannender Einblicke für alle!
00:00:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Insight UniversitätsMedizin MainZ, es geht um spannende Themen und um spannenden Personen.
00:00:13: heute geht es um das Thema Bauchchirurgie insbesondere um das thema Leberchirurgy.
00:00:19: ist mir eine ganz besondere Freude dass Professor Hauke lang unser Klinikdirektor dieser klinik Bau uns ist.
00:00:25: wie schön dass sie da sind.
00:00:26: sehr gerne.
00:00:28: Liebe Herr Lang, Sie haben etwas mitgebracht.
00:00:29: Das ist eine menschliche Leber aber ein besonderes Konstrukt hier.
00:00:35: Wann hatten sie zum ersten Mal im Rahmen einer Lebertransplantation einen Leber in der Hand?
00:00:40: und sagen Sie ein bisschen was zu dem, was Sie mitgebrachten?
00:00:43: Also zunächst die erste Frage... Die erste Leber, die ich in der hand hatte, die dann auch transplantiert wurde war in den Einen Praktikums in Chicago.
00:00:53: Bei meinem späteren Lehrer, Prof.
00:00:55: Bröllstadt habe ich vier Wochen formuliert und durfte insgesamt bei sechs Lebertransplantationen auch bei einer Leberteiltransplantationsteil nehmen was in den Nr.
00:01:02: neunzehnundachtachzig eine Seltenheit war.
00:01:06: Diese Leber ist ein Dreidedruck einer menschlichen Leber in der Größe eins zu eins nachgedruckt.
00:01:13: also die Leber dieses Patienten hatte genau diese Größe.
00:01:17: gelb sind die Tumore die in der Leber waren die wir operativ entfernt haben.
00:01:22: Diese Leber drucken wir, um intraoperativ uns besser orientieren zu können.
00:01:26: Sie können anhand dieses Druckes nachvollziehen, dass die Leber sehr gut durchblutet ist und viele Blutgefäße in der Leber sind.
00:01:33: Dieser drei D-Drück hilft uns, intraoperativ uns zu orientieren!
00:01:37: Das ist ja ganz spannend.
00:01:38: Es gibt ja auch die Version der Augmented Reality, das mit Brillen dann was eingeblendet wird, wo ein Tumor sein könnte aber dass man das ausdrückt damit man sich quasi als Operateur vor darauf präpariert und vorbereitet.
00:01:50: wie häufig brauchen Sie das?
00:01:51: Wir benutzen dies eigentlich nur bei multifokalen Tumoren also wenn wir fünf sechs oder zehn Tumore oder mehr in der Leber haben um interoperativ alle Tumoring zu finden.
00:02:01: Augmented reality oder virtual reality benutzen wir auch.
00:02:05: Wir untersuchen das, wir forschen auf diesem Gebiet.
00:02:07: Wir vergleichen auch drei D-Druck mit der OP-Planung mittels Virtual Reality oder computerassistierter, drei D Rekonstruktion.
00:02:15: also das ist ein Forschungsgebiet gerade hier bei uns in der Universitätsmedizin Mainz weil wir als Exzellenzzentrum für Leberschirurgie nicht nur der Klinik sondern auch der Forschung verpflichtet sind.
00:02:25: Geben Sie uns noch mal einen Einblick, wie sich das technisiert hat.
00:02:28: Wir haben vor zehn Jahren eine Leber transplantiert oder ein Tumor operiert und heute und vielleicht in fünf Jahren – was sind die Vorteile dieser neuen Techniken auch des drei D-Druckes?
00:02:39: Vielleicht der Augmented Reality?
00:02:41: Was ist der Vorteil für den Patienten und für den Operateur?
00:02:43: Die Leber ist ja ein komplexes Organ und es gibt sehr viele Blutgefäße innerhalb der Leber Aber auf der Oberfläche sind diese Blutgefäße nicht abgebildet.
00:02:52: Das heißt, wir haben ein Organ das sehr gut vascularisiert ist aber wir haben keinen Farbplan was die Gefäße betrifft.
00:02:59: Früher konnten wir mittels CT uns etwas orientieren dann kam der intraoperative Ultraschall und heutzutage können ja quasi Leber komplett nachbilden.
00:03:08: Wir wissen genau wo welches Gefäß liegt und entsprechend präzise können wir operieren und entsprechend Präzises können wir auch die OP planen.
00:03:16: Wenn wir vergleichen bei der Nierentransplantation, wenn man über die Niere sprechen gibt es ja die Möglichkeit mit Dialysezeit zu überbrücken.
00:03:22: Bei der Leber ist das nicht ganz so ausgeprägt.
00:03:25: was war die längste Zeit die ein Patient bisher ohne Leber ausgekommen ist bis sie dann vielleicht auch einer Leber ihm anbieten konnten?
00:03:33: Also die längst Zeit die bisher publiziert sind?
00:03:37: vier Tage, also achtundneunzig Stunden.
00:03:39: Das war ein Kind.
00:03:40: bei Erwachsenen ist es deutlich kürzer im Grunde genommen kaum länger als zwanzig bis vierundzwanzig Stunden.
00:03:46: die längste Zeit die wir hier in Mainz hatten waren achtunddreißig Stunden.
00:03:50: das ist auch die drittlängste Zeit bisher weltweit publiziert ist.
00:03:53: Also wir mussten bei einem Patienten die Leber entfernen ohne dass wir einen Leberangebot hatten.
00:03:58: Wir mussten hoffen dass Eurotransplant uns eine Leber vermittelt.
00:04:02: Wir hatten sogar nach vier und zwanziger Stunden eine Lebe.
00:04:05: Die erschienen uns aber nicht geeignet genug für diesen Patienten, sodass wir diese abgelehnt haben und weiter gehofft haben.
00:04:11: Nach thirty-eight Stunden haben wir dann ein sehr gutes Organ
00:04:13: bekommen.".
00:04:14: Das hat auch hervorragend funktioniert.
00:04:15: Was ein dramatischer Moment für den Patienten und für die Operatöre, die darauf gewartet haben?
00:04:21: Wie lief da die Kommunikation mit den Angehörigen ab, die wahrscheinlich hoch aufgeregt waren in dieser
00:04:26: Situation?
00:04:26: In diesen Situationen vertrauen uns die Angehörung.
00:04:29: Die Gespräche werden ja längst vor einer Transplantation geführt.
00:04:33: Wenn der Patient für eine Transplantion einwilligt, dann ist auch immer die Möglichkeit dass das auch gar nicht funktioniert, dass möglicherweise retransplantiert werden muss Patienten selbst, aber auch die Angehörigen quasi uns ein Go für alle Entscheidungen.
00:04:48: Wir führen so im Durchschnitt glaube ich fünfzig Lebertransplantationen im Jahr durch.
00:04:52: wir könnten aber viel mehr.
00:04:54: das hat was damit zu tun dass ja auch Menschen bereit sein müssen ihre Organe zu spenden.
00:04:59: wie ist da die Lage und was wäre ihr Plädoyer vielleicht auch an die Zuschauer wenn sie sich genau darüber auch Gedanken machen würden?
00:05:05: Also wir führen fünfzig lebertransplantation in dem Jahr durch pro Woche also eine was eigentlich viel zu wenig ist.
00:05:11: Viel zu wenig erst mal, was den medizinischen Bedarf betrifft.
00:05:14: Wir mussten in Deutschland weit mehr als die momentan etwa achthundert Lebern transplantieren.
00:05:20: Wir haben viele Patienten auf der Liste, die durch einen Organ gerettet werden können, die aber nie eine Chance auf ein Organ haben.
00:05:27: Zweitens, fünfzig Lebern sind zu wenig um Nachwuchs auszubilden.
00:05:33: und ob sie im Jahr zehn Lebern transplantieren oder hundert – Die Vorhalte kosten Die sind immer die gleichen.
00:05:39: Wir müssen vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche also drehundertfünfundsechzig Tage im Jahr bereit sein für eine Lebertransplantation.
00:05:46: was jetzt die Organspende betrifft wir haben in Deutschland ja die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung das heißt man muss zu Lebzeiten zugestimmt haben Im Idealfall einen Organnspendepass haben dass die Angehörigen Für diese Stresssituation Das zur Entscheidung kommt quasi entbunden sind und nicht noch in der Trauer oder in der höchsten Not, die sie haben auch noch sich Gedanken machen müssen wäre unser Angehörige Organspender ja oder nein.
00:06:13: In anderen Ländern haben wir die Widerspruchslösung das heißt man ist wenn man nicht widersprochen hat automatisch Organdspender.
00:06:20: Und was uns noch unterscheidet vom europäischen Ausland Im europäischen aus Land ist nicht nur die Organnspende nach Hirntod möglich sondern auch bei den sogenannten non-heartbeding donors, also bei Patienten die auf der Intensivstation versterben.
00:06:37: Bei denen das Herz stehen bleibt und bei denen nicht der Hirntoddiagnostiziert wird sondern ein Herzstillstand als Todeszeitpunkt festschät.
00:06:43: Und auch da können Organe gespendet werden.
00:06:46: Dies ist in Deutschland nicht möglich und es ist uns auch nicht erlaubt Organe von solchen Spendern zu nehmen.
00:06:51: deshalb sind wir im internationalen Vergleich wirklich schlusslich.
00:06:55: Ich weiß dass sie ganz vielfältig forschen Nicht nur im Bereich Leber Sondern viele andere Aspekte ihrer großen Kliniker.
00:07:01: Wenn wir nochmal schauen auf die Leber, wenn sie denn entnommen wird da gibt es neue Erfahrungen wie man quasi die Leiber perfundiert also mit welcher Flüssigkeit man sie befüllt bis sie dem nächsten lebenden Patienten dann eingepflanzt werden kann.
00:07:16: Was sind da die neuen Erkenntnisse und was erlaubt es uns, dass wir längere Zeiten auch überbrücken können?
00:07:22: Also der aktuelle Standard ist das eine Leber entnommen wird.
00:07:26: Die Leber wird dann mit sogenannte Konservierungslösung perfundiert.
00:07:29: Das Blut des Patienten wird ausgewaschen.
00:07:32: Die leber wird mit Konservierungslösungen befüllt oder gefüllt und dann auf Eis gelagert ohne dass sie friert also kühlgelagert.
00:07:40: und die zeit von der entnahme bis zur implantation das ist die sogenannte ischämiezeit soll so kurz wie möglich sein sollte nicht mehr als vielleicht zehn fünfzehn im extremfall vielleicht auch zwanzig stunden betragen.
00:07:53: aber je kürzer umso besser.
00:07:55: und in dieser zeit wird die leber geschädigt ganz einfach weil sie nicht oxygeniert ist und sie wird auch nicht perfundiert.
00:08:01: jetzt greift man auf ein altes prinzip zurück dass charles lindberg der pionier der luftfahrt schon vor mit den physiologischen Druckverhältnissen.
00:08:14: Die Leber wird hier atheriell durchblutet und portalvenös durchblutet, man kann die Leber oder auch die Niere an eine sogenannte Maschine anschließen dann werden die Druck-Verhältnisse simuliert.
00:08:24: und da gibt es wieder um zwei Möglichkeiten der Perfektion entweder die Hypotherme also die kalte ohne Oxygenierung oder die Normotherme auch mit Blut Perfusion mit Oxygenierung.
00:08:36: Und wenn ich mit Blutoxygeniere, über die Leber quasi ganze Zeit durchblutet und oxygeniert dann erleitet sie keinen Perfusionsschaden oder Ischemischaden.
00:08:46: Dann können wir auch die Lebers Funktionen zum Teil testen weil wir Laborparameter abnehmen können und die Vision ist dass wir sie sogar von dem Zeitpunkt der Entnahme bis zur Implantation vorbehandeln könnten zb Antiveral vorbehalten oder mit Immunsuppressive oder wie auch immer.
00:09:02: Das sind ja ganz faszinierende neue Erkenntnisse, die Sie auch ganz stark vorantreiben.
00:09:06: Was sind andere Forschungsaktivitäten, die Ihnen ganz wichtig sind und die vielleicht eine neue Perspektive der Behandlung an der Unimedizin in Mainz eröffnen?
00:09:15: Im Bereich der Leberchirurgie hatte ich schon erwähnt, dass wir uns insbesondere mittels augmented reality oder virtuelle Reality um Europäplanung bemühen.
00:09:24: Insgesamt wird sich die Lebercherurgie insofern verändern, dass immer mehr molekularbiologische Ergebnisse in die Operationsplanung einfließen.
00:09:33: Also es wird auch im Bereich der Leberchirurgie eine personalisierte Medizin geben.
00:09:38: Es gibt das Schlagwort Precision Surgery, das heißt präzise Chirurgien.
00:09:42: Das bedeutet aber nicht nur dass wir Präzises operieren.
00:09:45: natürlich Wir müssen exakt operieren Aber die OP-Planung oder die OP Strategie wird genau auf einen individuellen Patienten und dessen Tumor ausgerichtet Und zwar nicht nur auf Größe oder Lage des Tumors Sondern unter Umständen auch so auf das molekulare Profil.
00:10:00: Beispielsweise bei kolorektalen Lebermetastasen gibt es erste Hinweise, dass abhängig vom molekularen Profil – also von Mutationen der Sicherheitsabstand um eine Metastase größer sein muss oder kleiner sein kann.
00:10:13: Also wir müssen wirklich individualisiert abhängige vom moleklaren Profile unsere OP-Strategie ausrichten und das ist unter Precision Surgery zu verstehen.
00:10:23: Vielleicht am Ende noch eine persönliche Frage.
00:10:25: Sie kommen zwar nicht aus Mainz, sind aber jetzt lange hier doch ganz integraler Bestandteil auch des städtischen und des närrischen Wesens.
00:10:32: da haben sie einen besonderen Bezug dazu.
00:10:35: wie ist das entstanden?
00:10:37: Also ich komme aus Oberhessen und Fastnacht spielt auch in Oberhesse eine Rolle und wir haben auch schon früher immer Mainz bleibt Mainz geschaut.
00:10:44: dann war ich zehn Jahre in Hannover dort hat man überhaupt kein Verständnis für Fastnach.
00:10:48: dann zehn Jahre im Ruhrgebiet, da ist durchaus schon sehr viel Verständnis auch durch die Nähe zu Köln oder Düsseldorf.
00:10:55: Die enge Bindung hier nach Mainz ist gekommen dass ich den Boden vom Bundestag Jürgen Dietz persönlich sehr gut kannte und er hat mich sehr früh an die Fastnacht herangeführt.
00:11:05: und durch Jürgens Dietz habe ich auch Andrea Schmidt kennengelernt und bin in einem Fastnachtsverein bei den eiskalten Brüdern einen großen Rat gegeben.
00:11:13: wahnsinnig gern zu Fastnachtveranstaltungen, weil ich die politisch-literarischen Fastnachts wirklich schätze.
00:11:18: Also die geschliffenen Reden... Ich habe das sehr mit dem Spaß dran!
00:11:22: Vielen Dank für das Gespräch!
00:11:23: Sehr gerne!
00:11:24: Meine sehr verehrten Damen und Herren, das war hochspannend.
00:11:26: Leberchirurgie wie sie sich weiterentwickelt?
00:11:29: Wie hochspezialisiert auch Lebern vorbereitet werden damit man sie transplantieren kann oder Tumore schon vorher erkennt damit der Eingriff möglichst schont ist?
00:11:39: Das war hoch spannend.
00:11:40: wir haben sehr viel gelernt.
00:11:41: ich bin sicher dass Sie Lust haben in vierzehn Tagen wieder einzuschalten wenn es heißt Inside Universitätsmedizin Mainz.
00:11:50: Wenn euch der Beitrag gefallen hat, abonniert Inside-Universitätsmedizin Mainz über ein Podcast Anbieter eurer Wahl.
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