Alzheimer-Forschung
Shownotes
„Man weiß heute, dass gut 50 Prozent aller Alzheimer-Fälle durch Faktoren, die wir selbst beeinflussen können – Sport, Ernährung, Schul- und Ausbildung, Herz-Kreislauf Aktivierung – zu verhindern wären“, sagt Prof. Dr. Christian Behl, Direktor des Instituts für Pathobiochemie, im Gespräch mit Ralf Kiesslich. Dabei gibt er weitere spannende Einblicke in die Entwicklung der Alzheimer-Forschung und berichtet von der Entstehung verschiedener Krankheitshypothesen, u.a. der sehr lange verfolgten sogenannten Amyloid Hypothese in den 90er Jahren. Diese führt die Alzheimer-Erkrankung auf Ablagerungen von Proteinklumpen im Gehirn, genannt Plaques, zurück, was aber bis heute wissenschaftlich noch nicht geklärt ist.
Dreißig Jahren später ist die Alzheimer-Erkrankung immer noch ein wichtiger Forschungsschwerpunkt von Christian Behl – 2023 hat er dazu ein Buch veröffentlicht: „Ich habe mir erlaubt, kritisch über die Amyloid-Hypothese zu schreiben und auch zu reden, die nach wie vor das Feld dominiert. Ich bin im Laufe der Zeit immer mehr davon abgekommen, Amyloid als einzigen Auslöser dieser Erkrankung zu sehen.“ Für ihn ist heute vielmehr klar, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist. „Ich glaube, wir haben Aussicht auf neue und wirksamere Medikamente, wenn wir den Forschungsbereich öffnen und weitere Faktoren neben den Plaques in den Blick nehmen.“
Weitere Informationen: https://www.unimedizin-mainz.de/pathobiochemie
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Transkript anzeigen
00:00:00: Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:03: Spannender Einblicke
00:00:04: für alle.
00:00:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:10: Das beliebte Videoformat, wo ich mit Persönlichkeiten der Unimedizin ins Gespräch komme.
00:00:16: Heute ist es mir eine große Freude, Professor Christian Behl zu begrüßen.
00:00:20: Er ist der Leiter des Instituts für Patobioschämie.
00:00:23: Schön, dass Sie da sind.
00:00:24: Sehr gerne.
00:00:25: Pato Biochemie, was kann ich mir darunter vorstellen, was beforschen Sie in Ihrem Institut?
00:00:31: Nun, Pato Biochemie lehrt die Abläufe in Zellen, in Organen im Körper, die von der normalen physiologischen, gesunden Biochemie abweichen und zu Erkrankungen führen können.
00:00:45: Und Lehre ist ja das eine, das andere ist aber auch die Forschung.
00:00:49: Mit was beschäftigen Sie sich in der Forschung?
00:00:52: Nun, Mein hauptsächliches Forschungsgebiet ist die Proteinqualitätskontrolle, die Kontrolle der Organelle der Proteinfunktionen in der Zelle, spezielle Nervenzellen.
00:01:04: Und hierbei im Besonderen mit einem Recyclingprozess genannt die Autophagie.
00:01:10: Was kann ich mir unter Autophagie vorstellen und bei welcher Erkrankung spielt die Autophagie eine besondere Rolle oder bei welchem physiologischen also normalen Prozess?
00:01:20: Die Autophagie ist ein Rettungsversuch der Zelle, wenn beispielsweise ein Nährstoffmangel vorherrscht oder andere Stressoren auf die Zelle einwirken.
00:01:30: Und dann kann die Zelle innerhalb ihrer Umgrenzung, eilweise Proteine, die nicht mehr richtig funktionieren oder organellen, abbauen und aus diesem Prozess wieder neue Bausteine und auch Energie gewinnen, um ihre Funktion zu erhalten.
00:01:45: ist.
00:01:45: Also primär ein Stressreaktion zunächst.
00:01:50: Allerdings spielt die tagtäglich zu jeder Sekunde eine große Rolle, weil sie nämlich die Funktion der Zellen aufrechterhält.
00:01:59: Machen wir es ganz konkret, gerade die Nervenzelle, wenn die unter Stress kommt und vielleicht in einen Stress, der dann krankhaft wird.
00:02:05: Welche Erkrankungen können daraus entstehen?
00:02:07: Nun noch allgemein zurück zur Autophagie und seine Rolle bei Erkrankungen, Krankheiten allgemein.
00:02:15: Ein zu viel an Autophagie.
00:02:18: wird mit sehr vielen Krebsarten in Verbindung gebracht.
00:02:21: Ein zu wenig, ein Mangel an Autophagie, autophagische Aktivität, wird mit Nervenzell untergangen, mit neuere Generationen Parkinson, Alzheimer und andere Erkrankungen in Verbindung gebracht.
00:02:33: Eine Erkrankung ist ja Morbus Alzheimer.
00:02:35: Ich weiß, dass sie sich damit sehr beschäftigen.
00:02:38: Man geht ja davon aus, dass dort Ablagungen in den Nervenzellen sind, die zu dieser Erkrankung führen.
00:02:44: Sie haben sich kritisch mit dieser Hypothese auseinandergesetzt.
00:02:47: Was stimmt davon und welche neuen Forschungsansätze gibt es?
00:02:50: Nun, ich habe mir erlaubt, kritisch darüber zu schreiben und auch zu reden, weil ich von Beginn an bei der Entstehung dieser Hypothese mit dabei war.
00:03:02: Ich habe selbst mit meinen Daten damals erforscht bei meinem Forschungsaufenthalt in den USA.
00:03:07: eine ganze Reihe von Daten geliefert und beigetragen für die sogenannte Amyliethypothese, die seit über dreißig Jahren das Feld dominiert.
00:03:18: Allerdings habe ich dann spätestens nach Rückkehr nach Deutschland begonnen, den wesentlichen Risikofaktor dieser Erkrankung, dass die Alterung mit ins Forscherboot zu nehmen sozusagen und bin dabei immer weiter davon abgekommen, das Aminid als den einzigen Initialen Auslöser dieser Erkrankung zu sehen.
00:03:41: Und dass sie sich ganz intensiv mit dieser Erkrankung beschäftigen, das sieht man auch an diesem Buch, was sie im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im
00:04:01: Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im definiert.
00:04:06: Sie wurde letztendlich von dem Mentor von Alice Alzheimer, das war Emil Kreppelin, einem biologischen Psychiater definiert und als Einzelfall in seinem wichtigen Lehrbuch abgelegt.
00:04:18: Und seither ist diese Erkrankung als die Alzheimer'schalkrankheit definiert.
00:04:24: Und im Rückblick hat bereits Alois Alzheimer wesentliche Merkmale bestimmt bei seinem Blick durchs Mikroskop, die auch heute noch zur biologischen Definition herangen genommen werden.
00:04:37: Allerdings muss man sagen, dass es ein sehr eingeengtes Weltbild war.
00:04:43: Die Methoden haben sich weiterentwickelt.
00:04:45: Viele mehr Daten sind dazu gekommen und die zeigen, dass Alzheimer eine multifaktuelle Erkrankung ist und nicht auf ein einzelnes Protein, das genannte Amidid-Better-Protein, gefunden, im Plachs, im Gehirn zurückzuführen ist.
00:05:04: Alzheimer ist ja eine schreckliche Erkrankung im Endstadium, weil die Persönlichkeit verloren geht.
00:05:09: Gibt es aus ihrer Sicht Möglichkeiten zu verhindern, dass dieser Erkrankung überhaupt auftritt?
00:05:15: In der ganzen Euphorie, dass man biochemisch, patobiochemisch bestimmte Proteinprozesse aufhalten kann, eben das Amyliet-Better-Potin abräumen, verhindern kann, hat man die Prävention und diese modifizierbaren Risikofaktoren Ernährung, Bildung, Sport, Herz-Kreislaufaktivierung so etwas aus dem Blick verloren.
00:05:43: Und man weiß heute allerdings, dass gut fünfzig Prozent aller Alzheimer-Fälle durch solche selbst beeinflusbaren Faktoren zu verhindern wäre.
00:05:54: Also das eine ist die Prävention.
00:05:56: Wenn die Erkrankung aber aufgetreten ist, dadurch, dass sie zelluläre Interaktionen besser verstehen, gibt es bald noch bessere, noch neuere Medikamente, die vielleicht zum Einsatz kommen könnten.
00:06:08: Ich glaube ja, wenn man den Forschungsbereich öffnet und sozusagen auch andere Faktoren als das genannte Amelitbetaprotein mit in den Blick nimmt.
00:06:17: Wir kennen heute über neunzig genetische Risikovarianten dieser Erkrankungen.
00:06:23: Man muss die Erkrankungen eigentlich ganz neu definieren und nicht nur auf die Ablagerungen im Gehirn reduzieren, denn solche Ablagerungen finden wir in sehr, sehr vielen älteren Menschen, die eine völlige normale Kognition, also sprich Gedächtnisleistungen, aufweisen.
00:06:41: Warum sind Sie selber so begeistert von diesem Thema?
00:06:44: Und was möchten Sie gerne noch erreichen mit Ihren Forschung, damit es vielleicht den Patienten besser gehen kann in der Zukunft?
00:06:50: Und die Begeisterung für dieses Thema begann eigentlich in den neunziger Jahren bei meinem Aufenthalt am Sorginstitut in San Diego.
00:07:01: Und dort hat das Feld letztendlich in den neunziger Jahren so richtig Fahrt aufgenommen, durch viele Befunde.
00:07:09: die eben dann zu jener Hypothese geführt haben.
00:07:12: Und man hat gemerkt, dass es im amerikanischen Kulturkreis ja viel mehr ausgebildet als im europäischen etwa, dass man sehr viel mehr mit der Krankheit lebt und sehr, sehr viel mehr an Einzelschicksalen teilnehmen kann.
00:07:25: Und das hat schon die Bedeutung einer solchen Forschung sehr stark betont.
00:07:30: Und seither bin ich mit dieser Erkrankung, mit Neurodegeneration, wie mit Altersprozessen assoziiert, sind sozusagen verwandt und erforsche die Grundlagen dazu.
00:07:45: Was machen Sie selber, um geistig fit zu bleiben und vielleicht den Alterungsprozess auch ein Stück weit aufzuhalten?
00:07:51: Mein Institut, die vielen arbeiten, Forschung und Lehre, das hält mich im Grunde schon sehr fit.
00:07:59: Und wenn darüber hinaus Zeit bleibt, treibe ich sehr viel Sport und beschäftige mich mit Malerei, Literatur und Theater.
00:08:07: Vielen Dank für das sehr interessante Gespräch.
00:08:09: Egal.
00:08:10: Meine sehr verehrten Damen und Herren, und das war wieder eine Folge Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:08:15: Es ging um das Thema Pathobioschemie, also die Interaktion von Zellen und die Erkrankungen Alzheimer.
00:08:21: Und da haben wir gelernt, dass wir selber etwas tun können, um fit zu bleiben und offen zu zeigen für Sport, Theater, gesunde Ernährung und vielleicht auch, dass sie in vierzehn Tagen wieder hineinschalten, wenn es heißt Insight-Universitätsmedizin Mainz.
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