Onkologie – Patientenschicksale, die bewegen
Shownotes
In dieser Folge von „Inside UM“ geht es um das Thema Onkologie. Im Gespräch mit Ralf Kiesslich berichtet Matthias Theobald unter anderem über die Prävention von Krebserkrankungen. Man könne einiges tun, damit Krebs erst gar nicht auftritt, so der Direktor der III. Medizinischen Klinik. Wenn dies doch der Fall ist, arbeiten unter dem Dach des Onkologischen Spitzenzentrums der Universitätsmedizin Mainz zahlreiche Spezialistinnen und Spezialisten gemeinsam daran, dass die Erkrankung nicht schicksalhaft ist, sondern dass Patient:innen die bestmögliche, individuelle Therapie bekommen. Auch eine mögliche künftige Krebsimpfung steht im Fokus des Gesprächs. „Unser Wissen für Ihre Gesundheit“ – dieses Motto der Universitätsmedizin gilt damit gerade auch in der Onkologie.
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00:00:00: Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:03: Spannende Einblicke für alle.
00:00:06: Herzlich willkommen zu Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:09: Es ist mir eine Freude, ein Interview zu führen mit Persönlichkeiten der Universitätsmedizin.
00:00:15: Heute darf ich begrüßen Prof.
00:00:17: Matthias Theobald, unser Klinikdirektor für Hematologie und Onkologie.
00:00:23: Er kümmert sich also um Krebserkrankungen.
00:00:25: Schön, dass Sie da sind.
00:00:26: Freu mich.
00:00:27: Wenn Sie zurückblicken, bisher welcher Fall hat Sie in Ihrer Karriere am meisten beeindruckt?
00:00:33: Und wo sehen Sie auch die größten Heilungschancen in der Zukunft?
00:00:37: Da sind natürlich viele Patienten und Patientinnen, die mich beeindruckt haben.
00:00:43: Spontan fällt mir eine Patientin ein, die aus der Schweiz zu uns gekommen ist, weil sie dort gelebt hatte, aber Beziehungen zu Mainz hatte, mit der Diagnose.
00:00:54: einer akuten myologischen Leukämie.
00:00:57: Das ist eine sehr aggressive Form des Blutkrebses.
00:01:01: Und was wir dann als erstes machen, ist nachzuschauen, welche genetischen Veränderungen liegen in den Leukämiezellen vor.
00:01:10: Weil danach richtet sich die Prognose für die Patienten, das Risikoprofil und damit auch die dem Risiko angemessene Behandlung.
00:01:21: Diese komplexe Behandlung hat dann begonnen, bestehend aus mehreren Chemotherapien, gefolgt von einer Stammzeltransplantation.
00:01:31: Und anschließend kam es leider zu einem Rezediv der Erkrankung, das heißt zu einem Rückfall.
00:01:37: Dann haben wir die Patienten erneut behandelt.
00:01:41: Sie wurde am Ende des Tages auch noch ein zweites Mal.
00:01:45: einer Stammzeltransplantation zugeführt.
00:01:49: Dennoch konnten wir am Ende des Tages die Patientin nicht mehr vor einem Rückfall retten, der da nicht mal angesprochen hat, auf alle Möglichkeiten, auch molekularen und immunmediierten Möglichkeiten.
00:02:06: Und dann bespricht man natürlich mit den Patienten oder diesem Fall eben der Patientin, was als Nächstes zu tun ist.
00:02:14: Und für sie war ganz wichtig, dass wir sie so lange unterstützen und auch die Begleitmedikation so lange aufrechterhalten können, dass sie in der Lage ist, einmal noch mit dem Hubschrauber über die Alpen zufliegen.
00:02:30: Und diese Wünsche am Ende eines Lebens, wenn man die realisieren kann, ohne dabei noch tatsächlich auch die Grunderkrankung
00:02:39: ...
00:02:41: Fokus zu haben, dass es und den Patienten damit noch etwas geben kann.
00:02:47: Das ist, glaube ich, eine sehr befriedigende
00:02:50: Erfahrung.
00:02:51: Also die Kombination aus Spitzenmedizin und persönlicher Zuwendung ist so wichtig bei der Behandlung von Patienten mit Krebs.
00:02:57: Wie gehen Sie aber damit um, dass es manche Patienten gibt, die zu Ihnen kommen, wo Sie sagen, das wäre doch leicht vermeidbar gewesen?
00:03:04: mit vielleicht einer Vorsorgeuntersuchung oder anderen Dingen.
00:03:07: Was würden Sie den Menschen generell empfehlen, damit sie erst gar nicht in die Situation kommen, dass eine Krebserkrankung entsteht?
00:03:15: Also in der Tat die Vorsorgeuntersuchungen, Sie sprechen es an, sind ganz wichtig.
00:03:19: die sollten Frauen und Männer entsprechend ihres Lebensalters unter Empfehlungen wahrnehmen.
00:03:25: Neu hinzukommt für Menschen, die rauchen, auch das sogenannte Lungenscreening.
00:03:30: Das heißt, die Suche nach kleinen Lungentumoren, die eben dann noch sehr gut ... mit Heilungsaussichten behandelt werden können.
00:03:40: Ansonsten natürlich ein gesunder Lebensstil.
00:03:42: Das heißt, der Verzicht auf übermäßigen Alkohol, der Verzicht auf Tabakonsum, eine bolossierte, ausgeglichene Ernährung.
00:03:50: und natürlich sehr viel Bewegung.
00:03:52: Wenn
00:03:52: man die Diagnose Krebs hört, dann ist man oft sehr betroffen und das hat sehr viel mit Angst zu tun.
00:03:59: Sie sind oft der Erste, wo Menschen Hilfe suchen.
00:04:02: Wie gehen Sie mit der Angst um und wie wird so ein erstes Beratungsgespräch in der Regel geführt?
00:04:06: Ganz wesentlich ist natürlich, dass man zu den Patienten und Patientinnen offen und transparent ist.
00:04:14: dass man sehr wahrheitsgemäß auch die Ziele mit den Patienten zusammen definiert, die durchaus individuell unterschiedlich sein können.
00:04:24: und nach den Zielen der Patienten die Behandlung dann auch festlegt.
00:04:28: Das nennt man im englischsprachigen Raum Shared Decision Making.
00:04:33: Das heißt, nicht der Therapeut alleine legt fest, wie die Behandlung stattfindet, sondern das ist ein Miteinander, welches auf die individuelle Situation des Patienten natürlich abgestimmt
00:04:45: ist.
00:04:45: Meistens steht natürlich im Vordergrund immer bei der Erstdiagnose einer noch nicht sehr ausgedehnten Krebserkrankung das Heilungsziel im Vordergrund.
00:04:55: Und das ist natürlich etwas, womit man den Patienten schnell einvernehmen erzielen kann.
00:05:01: Hinzu kommt, dass wir natürlich eine ganze Reihe zusätzlicher Unterstützender Angebote haben, sei es von psycho-onkologischer Begleitung, sozialmedizinischer Begleitung, Bewegungstherapie, Ernährungsberatung, sodass die Patienten und auch ihre Angehörigen, ihre Familie.
00:05:20: abgeholt werden können.
00:05:22: Sie haben vorhin das Beispiel gebracht, der Patientin, die eine Blutkrebserkrankung hat und haben darauf hingewiesen, dass sie genetische Analysen machen.
00:05:28: Also sehr viel genauer, zielgerichteter jetzt auf der einen Seite die Diagnose stellen, aber auch die Therapien.
00:05:35: Was müssen sich die Menschen unter dieser individuellen oder individualisierten Therapie vorstellen?
00:05:41: Es gibt bestimmte Veränderungen in Zellen auf genetischer Ebene am Ende des Tages ausgelöst, die wir gezielt auch angreifen können.
00:05:49: Das heißt, es gibt Medikamente, Substanzen, die bestimmte molekulare Mechanismen ausschalten, die die normale Zelle gerade erst zu Tumorzellen mutieren lassen.
00:06:01: Das sind ja so viel Information, so viel Wissen, was man bündeln muss.
00:06:05: Wie stellen wir das in der Universitätsmedizin in Mainz da?
00:06:08: Wie wirken die Experten zusammen, damit die beste Empfehlung gegeben werden kann?
00:06:13: Die Krebsbehandlung ist immer eine interdisziplinäre Behandlung.
00:06:16: Das heißt, wir brauchen Chirurgen, wir brauchen medizinische Onkologen für die Medikamentöse, Systemtherapie, wir brauchen den Strahlentherapeuten, wir brauchen den Radiologen, das heißt auch die Bildgebung.
00:06:29: Und wir treffen uns regelmäßig, um jeden einzelnen Krebspatienten zu besprechen und gemeinsam die bestmögliche Therapie festzulegen.
00:06:39: Wir haben beispielsweise in Mainz im Moment etwa sechzehn unterschiedliche Tumorboards pro Woche, indem jeder einzelne Patient ... und auch jede Veränderung im Therapieverlauf eines Patienten gemeinsam besprochen wird.
00:06:54: Es ist ein sehr individuelles Vorgehen.
00:06:56: Der Patient ist oft unsicher.
00:06:58: Wie kommt am besten in Kontakt?
00:07:00: oder auch der Hausarzt, dass genau die richtigen Eintrittspunkte gefunden wird, dass auch die richtige Therapie empfohlen wird?
00:07:07: Wir haben dafür eine Hotline in unserer Klinik, aber auch im Universitären Zentrum für Tumorerkrankungen.
00:07:13: Diese Hotline ist eigentlich die ganze Zeit besetzt.
00:07:16: Und die Kolleginnen an der Hotline leiten sie dann weiter an den entsprechenden Experten, der dann einen Termin ausmachen kann.
00:07:25: Oder sie machen bereits im Vornherein einen Termin bei uns aus.
00:07:30: Die Geschichte der Patientin aus der Schweiz hat mich berührt, weil sie auf der einen Seite gezeigt haben, wie das am Anfang die Therapie gegriffen hat, sich alle gefreut haben.
00:07:38: Am Ende aber doch diese Krebserkrankung zu einem Tod geführt hat bei der Patientin.
00:07:45: Haben wir neue Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Krebsimpfung, um solche schwerwiegenden Erkrankungen dann auch vielleicht in Zukunft zu besiegen?
00:07:53: Also die Krebsimpfung ist in der Tat in der klinischen Erprobung bei unterschiedlichen Krebserkrankungen, dem schwarzen Hautkrebs.
00:08:02: dem Nierenzellkarzinom, aber auch bei
00:08:04: Lungentumoren.
00:08:06: Und wir erwarten in der Tat, dass sie einen doch nicht unwesentlichen Beitrag leisten wird in der Verbesserung der Therapiergebnisse, insbesondere dann auch, wenn sie kombiniert wird.
00:08:17: mit anderen Modulatoren, das Immunsystems oder auch zelltherapeutischen Interventionen.
00:08:23: Die individualisierte Therapie wird immer notwendiger und zielgerichtete Therapien.
00:08:28: Oft dauert es aber sehr lange, bis solche Medikamente solche Therapien zur Verfügung stehen.
00:08:33: Warum könnte es deshalb wichtig sein, dass man als Patient in einen Spitzenzentrum wie bei ihnen geht?
00:08:40: Das könnte ein großer Vorteil sein, weil wir als dritte medizinische Klinik als onkologische Spitzenzentrum, als Teil auch des Deutschen Konsortiums für translationale Krebsforschung, den Patienten neue Substanzen und neue Methoden und innovative Therapiestrategien anbieten können, um ihre Chancen auf Heilung oder längeres Überleben deutlich zu verbessern.
00:09:05: Erlauben Sie mir jetzt zum Abschluss noch eine persönliche Frage.
00:09:08: Als Onkologe, wie gehen Sie mit den Schicksalen, um die Sie bewegen, wo Sie das Gefühl haben, vielleicht mehr hätten machen zu können oder eben nichts mehr machen zu können und der Patient verstirbt?
00:09:20: Was macht das mit Ihnen selber und wie können Sie wieder die Kraft schöpfen, um am nächsten Tag wieder alles zu geben, damit die Therapie möglichst zielgenau und auch erfolgreich ist?
00:09:29: Als Onkologen behandeln wir zwar Krebserkrankungen, aber genau genommen behandeln wir und begleiten wir den Patienten mit einer Krebserkrankung über einen sehr langen Zeitraum.
00:09:41: Das heißt, der Patient, der individuelle Mensch, steht immer im Mittelpunkt und das, was für diesen Menschen dann von Bedeutung ist.
00:09:52: In seiner Auseinandersetzung mit der Krankheit ist das, was wir versuchen, bestmöglich zu begleiten und Wege zu eröffnen.
00:10:01: Natürlich gehen einem Schicksale nahe.
00:10:04: Wir gelingen es aber, diese Schicksale dann auch tatsächlich in der Klinik zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen.
00:10:10: Vielen Dank für das Gespräch.
00:10:13: Insight-Universitätsmedizin meins.
00:10:15: Heute ging es um das Thema Onkologie.
00:10:18: Man kann einiges machen, damit die Krebserkrankung gar nicht auftritt.
00:10:22: Und wir in meins tun alles dafür, damit diese Erkrankung nicht ... schicksalshaft wird, sondern dass wir die bestmögliche Therapie individuell anbieten.
00:10:31: Dazu sind wir an Spitzenzentrum der Onkologie und Prof.
00:10:35: Theobald hat darauf hingewiesen, wo Sie sich an uns wenden können und unser Wissen für Ihre Gesundheit gilt auch im Bereich der Onkologie.
00:10:43: Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie in vierzehn Tagen wieder einschalten, wenn es wieder heißt Inside Universitätsmedizin Mainz.
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