Therapierevolution Dermatologie
Shownotes
Von einer Therapierevolution spricht Prof. Dr. Stephan Grabbe, Direktor der Hautklinik und Poliklinik, in seinem Interview mit Prof. Dr. Ralf Kiesslich bei einer neuen Folge der Reihe „InsideUM“ gleich mehrfach. Beim schwarzen Hautkrebs etwa hat vor allem die Entfesselung des Immunsystems dazu geführt: „Wir wissen heute, dass es im Immunsystem sozusagen eingebaute Bremsen gibt, die verhindern, dass das Immunsystem den Tumor angreift. Wenn wir diese Bremsen blockieren, können wir das eigene Immunsystem dazu bewegen, Tumorzellen und Metastasen zu beseitigen.“ Und das mit beeindruckendem Erfolg: „Bei schwarzem Hautkrebs war vor 15 Jahren die Bildung von Metastasen gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Heute heilen wir 50 Prozent dieser Patient:innen. Hier sieht man, wie Forschung beim Menschen ankommen kann.“
Eine weitere Therapierevolution macht Stephan Grabbe bei der Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen aus, etwa bei Neurodermitis. „Wir haben verstanden, wie die Entzündungsprozesse vonstattengehen, die zum Beispiel den quälenden Juckreiz auslösen. Und wir haben Medikamente, die diese Entzündungsfaktoren gezielt abschalten.“
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Hautklinik. Du möchtest mehr von „Inside UM“ sehen und hören? Dann besuche uns auf unserer Homepage.
In der Reihe „Inside UM“ interviewt Ralf Kiesslich, Vorstandsvorsitzender der Unimedizin Mainz, Persönlichkeiten aus der UM. Ihr habt noch Fragen? Schreibt uns an pr@unimedizin-mainz.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:03: Spannender Einblicke für alle.
00:00:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:00:10: Heute geht es um das Thema Hautdermatologie und der Klinikdirektor unserer Hautklinik hier an der Universitätsmedizin Mainz ist Professor Dr.
00:00:19: Stefan Krabbe, der es heute hier herzlich willkommen.
00:00:22: Hallo,
00:00:22: die Werke ist nicht.
00:00:23: Herr Krabbe, ich freue mich, dass Sie da sind.
00:00:26: Im Sommer ist es heiß, die Sonne scheint.
00:00:28: Die klassische Frage an den Dermatologen, müssen wir uns wirklich so vor der Sonne schützen?
00:00:32: Ist die so gefährlich?
00:00:33: Kann sie wirklich so schnell Krebs auslösen?
00:00:35: Was ist Ihre Empfehlung?
00:00:37: Also zunächst einmal, wie immer als Wissenschaftler, es kommt darauf an.
00:00:41: Es kommt vor allen Dingen auf den Hauttyp an.
00:00:43: Wenn man ein dunkelhäutiger Typ ist, also ich sage jetzt mal so mediterraner Hauttyp, da muss man sich natürlich weniger vor der Sonne in Acht nehmen, als wenn man so ein hellhäutiger nordeuropäisch-irischer Hauttyp ist.
00:00:56: Und natürlich ist im Sommer mehr Sonne als im Winter und insbesondere das UVB-Licht.
00:01:01: Das ist das, was im Sommer vermehrt da ist.
00:01:04: Das ist aber auch gleichzeitig das, was Hautkrebs auslöst.
00:01:07: Also ja, im Sommer schützen.
00:01:10: Gibt es einen persönlichen Fall, der Ihnen nahe gegangen ist, gerade beim Thema Hautkrebs?
00:01:16: Persönlich nahe gehen einen immer die jungen... die schwer erkranken, die mit einem besonders heftigen Schicksal.
00:01:24: Und ja, wir haben sie immer wieder.
00:01:26: Diese jungen Menschen, die dann metastasierten, meist schwarzen Hautkrebs haben.
00:01:31: Und um deren Überleben wir natürlich besonders kämpfen, wo wir alles versuchen.
00:01:37: Und manchmal sind es die Patienten, bei denen es klappt, die vergisst man nie.
00:01:42: Die sieht man dann in der Nachkontrolle immer wieder.
00:01:46: Und man freut sich jedes Mal, wenn man sie sieht.
00:01:48: Und manchmal ... verliert man welche und an die denkt man noch jahrelang.
00:01:53: Sprechen wir genau darüber.
00:01:54: Schwarzer Hautkrebs, gefährliche Krebsart.
00:01:57: Und früher war dort die Prognose doch sehr eingeschränkt.
00:02:00: Jetzt gibt es ganz neue Möglichkeiten der Therapie und auch etwas, was Mainz ausmacht.
00:02:05: Nämlich, dass es eine Impfung gibt auf RNA-Basis.
00:02:08: Bei Corona haben wir das ja breit diskutiert und jeder war ja fast Experte dafür.
00:02:12: Aber was bedeutet das?
00:02:13: In der Dermatologien kann man dort diesen Ansatz auch einsetzen.
00:02:16: Die Impfung gibt es noch nicht ganz.
00:02:18: Wir forschen noch dran.
00:02:19: Sie ist noch nicht mal in Parizenden angekommen, aber wir sind ... ziemlich weit fortgeschritten.
00:02:24: Was es aber gibt, ist die Immuntherapie.
00:02:26: Die Immuntherapie bedeutet, dass wir verstanden haben, wie das funktioniert mit dem Immunsystem, dass wir wissen, es gibt sogenannte eingebaute Bremsen im Immunsystem.
00:02:39: Und wenn man diese Bremsen, die eine richtig kräftige Immunantwort auf den Tumor verhindern, wenn man diese Bremsen blockiert, dann beschafft man es, dass man das eigene Immunsystem dazu bewegen kann, Tumorzellen, Metastasen zu beseitigen.
00:02:56: Und das klappt häufig.
00:02:59: Bei metastasierten Patienten in der Hälfte der Fälle, mittlerweile behandeln wir Patienten schon vorbeugend und können damit die meisten Patienten vor einer späteren Metastasierung, also vor einer Streuung dieser Tumore bewahren.
00:03:12: Machen wir es nochmal ganz konkret, die Entfesselung des Immunsystems, was ja die neue Therapie ist.
00:03:16: Wenn Sie das vergleichen vor zehn Jahren und jetzt was überlebens Wahrscheinlichkeiten angeht, kann man das quantifizieren?
00:03:24: Da ist eine Therapie-Revolution, muss man sagen.
00:03:28: Ja, beim schwarzen Outgreb vor zehn, naja vor fünfzehn Jahren zumindest, war im Prinzip die Metastasierung gleich bedeutend mit einem Todesorteil.
00:03:38: Heute heilen wir fünfzig Prozent der Patienten.
00:03:41: Ja, also das ist schon Ein Wort, finde ich.
00:03:44: Und da sieht man, wie Forschung dann auch beim Menschen ankommen kann und Patienten heilen kann.
00:03:50: Und da ist in der Dermatologie ja immer die Situation, dass gerade die Immuntherapie in der Dermatologie so eine gewisse Vorreiterrolle hat.
00:03:57: Das Melanom der schwarze Hautkrebs ist besonders... zugänglich einer Immuntherapie und deswegen, wenn geforscht wird, dann häufig dort und da finden sich dann auch die ersten Erfolge dann.
00:04:09: Und erlauben Sie mir dann die Nachfrage zu der Impfung.
00:04:11: Wir haben auf der einen Seite die Immuntherapie.
00:04:13: Jetzt die Impfung.
00:04:14: Was erhoffen Sie sich davon?
00:04:16: Die Immuntherapie ist sozusagen eine Behandlung, wo wir das gesamte Immunsystem auf höhere Touren setzen.
00:04:23: Und das hat natürlich den Vorteil, dass wir das Immunsystem gegen den Tumor scharf machen, aber es hat den Nachteil, dass es hin und wieder auch im Monatworten gibt, unerwünscht im Monatworten gegen gesunde Gewebe.
00:04:35: Wenn wir impfen, impfen wir ganz gezielt nur gegen den Tumor.
00:04:40: Und das gesunde Gewebe... Zumindest zu allermeist bleibt unbeeinträchtig.
00:04:46: Also wir möchten durch eine Impfung insbesondere nicht nur die Wirkung verstärken, sondern vor allen Dingen die Nebenwirkungen reduzieren.
00:04:53: Wechseln wir das Thema.
00:04:54: Eine andere wichtige Erkrankung ist, glaube ich, die Neurodermitis für die Patienten, was sehr quälend ist, gerade der Juckreiz.
00:05:01: Wenn jemand zu Ihnen kommt, wie gehen Sie vor und was sind vielleicht auch da neue Therapien oder neue Hoffnungsmöglichkeiten?
00:05:07: Auch hier.
00:05:08: Ich glaube, auch hier kann man von der Therapierevolution sprechen.
00:05:12: Als ich sozusagen gerade fertig mit dem Studium war und anfing in der Dermatologie, da waren die dermatologischen Stationen voll mit Patienten, die dort wochenlang waren und irgendwelche äußerlichen Therapien gegen Juckreiz und Neurodermitis bekamen.
00:05:26: Fast wie so ein Sanatorium.
00:05:28: Diese Patienten gibt es nicht mehr bei uns stationär.
00:05:31: Und zwar deswegen, weil wir die Patienten viel, viel besser, viel gezielter behandeln können und vor allen Dingen die schwer betroffenen Patienten jetzt nicht mehr nur äußerlich behandeln müssen, sondern vor allen Dingen auch innerlich behandeln können.
00:05:43: Wir haben verstanden, wie diese Entzündungsprozesse vonstatten gehen.
00:05:47: Wir haben verstanden, welche Entzündungsprozesse Faktoren, die entscheidenden sind, die diese Problematik auslösen, zum Beispiel auch den Juckreiz auslösen.
00:05:57: Und wir haben Medikamente nun, die diese Entzündungsfaktoren gezielt abschalten.
00:06:03: Versteht das noch der normale Arzt in Anführungsstrichen, gerade der Hausarzt, der dann mit der Erkrankung die Menschen an die richtige Stelle bringen will?
00:06:10: Was würden Sie raten und was bieten wir vielleicht auch an Beratungsmöglichkeiten an, um die richtige Therapie zu finden?
00:06:17: Also diese Behandlung werden immer komplexer.
00:06:20: Sie werden immer mehr auf den einzelnen Patienten zugeschnitten.
00:06:23: Sie sind immer komplizierter, weil die Substanzen komplizierter werden.
00:06:27: Und ich sage immer, wenn man eine Allerwelterkrankung hat, dann ist das etwas für den Hausarzt oder den Niedergelassenen.
00:06:33: Wenn man eine komplizierte oder eine schwere Erkrankung hat, dann ist das was für Spezialisten.
00:06:38: Und da haben wir halt in der Uni Medizin viele davon.
00:06:41: Und Spezialisten bedeutet, dass wir diese ganzen therapeutischen Maßnahmen, die es arsenal der verschiedenen Möglichkeiten zur Therapie überblicken und ganz gezielt für den einzelnen Patienten anwenden können.
00:06:56: Und das ist der Vorteil, wenn man in so einer Unimedizin ist.
00:06:58: Und der zweite Vorteil ist, wenn man was Kompliziertes hat, dann gibt es eben auch in der Nachbarklinik den Spezialisten, der einem weiterhelfen können und man ist nicht alleine mit seinem Spezialwissen.
00:07:08: Also da denke ich, ist gerade die Kompetenz einer Unimedizin.
00:07:13: Wenn Sie nach in zehn Jahren in die Zukunft blicken, ist es dann weiterhin der Hautarzt, der genau diese Erkrankung behandelt?
00:07:19: Oder sind es Spezialisten zusammen, die ein Immunphänomen versuchen zu deuten und dann richtig zu therapieren?
00:07:26: Wie sehen Sie da die Entwicklung?
00:07:27: Ja,
00:07:27: das ist eine gute Frage.
00:07:28: Ich glaube, dass mittlerweile die auch in den niedergelassenen Arztpraxen die Einzelkämpfer weniger werden und größere Praxen mit mehreren Ärzten und auch mit Spezialisierungen immer häufiger werden.
00:07:42: Wir haben bei der Dermatologie einzelne Praxen jetzt, die diese komplexen Therapien auch in der Niederlassung anbieten.
00:07:49: Und die sind natürlich spezialisiert.
00:07:52: Und ich glaube, dass es in Zukunft mehr werden wird.
00:07:55: noch.
00:07:55: Was treibt Sie um an der Universitätsmedizin zur Arbeit als Klinikdirektor?
00:07:59: Weil Sie ja Forschung, Lehre und klinische Versorgung kombinieren und damit ja auch etwas entwickeln wollen für Fach.
00:08:05: Was treibt Sie da an?
00:08:06: Sie sagen es.
00:08:07: Es ist genau diese Mischung.
00:08:10: Medizin machen kann man an vielen Stellen auch in der Praxis.
00:08:15: Lehre, Forschung vor allen Dingen und insbesondere Grundlagenforschung, aber nicht.
00:08:20: Und die Kombination aus all dem, das ist das Schöne.
00:08:24: und befriedigende eines Jobs als Klinikdirektor in einer Uni-Medizin, wo man junge Leute motivieren kann für das Fach, wo man Wissenschaft machen kann und manchmal zumindest cutting-edge Wissenschaft machen kann, wo man gleichzeitig kranke Patienten heilen manchmal oder zumindest bessern kann und in einem Umfeld ist, wo Spitzenmedizin gemacht
00:08:45: wird.
00:08:46: Erlauben Sie mir eine persönliche Frage zum Abschluss.
00:08:48: Sie als Dermatologe, wie gehen Sie mit Ihrer Haut um?
00:08:51: welche Pflegeprodukte nutzen Sie zum Beispiel?
00:08:54: Also grundsätzlich ist das wie überall.
00:08:56: Man sollte ein vernünftiges Maß finden.
00:09:00: Wenn man zum Kellerkind wird und sich nur noch vor der Sonne schützt, ist es genauso schädlich wie wenn man sich den ganzen Tag in der Sonne brät.
00:09:06: Und ich bin viel im Freizeitbereich Outdoors unterwegs, deswegen bin ich auch ein bisschen braun und das ist auch nicht schlimm.
00:09:14: Man muss sich allerdings schützen im Sommer mit Sonnencremes, vor allen Dingen aber auch mit Kleidung und Mitz oder Hut.
00:09:22: vor insbesondere der Mittagssonne.
00:09:25: Ja, mit der Pflege, das ist so individuell.
00:09:27: Wissen Sie, es gibt eigentlich die Empfehlung, hier früher man anfängt mit so Anti-Aging-Produkten, desto mehr merkt man, dass, wenn man dann in das Alter gekommen ist, wo man es normalerweise sieht.
00:09:39: Habe ich nicht gemacht.
00:09:41: Aber empfehlen tu ich trotzdem.
00:09:43: Vielen Dank für das sehr interessante Interview.
00:09:45: Danke Ihnen.
00:09:47: Meine sehr verehrten Damen und Herren, das war wieder eine Folge Insight-Universitätsmedizin Mainz.
00:09:51: Besonders interessant, weil es ging darum, wie man sich selber schützen kann.
00:09:55: Mit Sonnencreme zum Beispiel vor dem weißen Hautkrebs, aber auch der schwarze Hautkrebs ist sehr gefährlich.
00:10:01: Und da gibt es tolle neue Therapieansätze, wie übrigens insgesamt die Hautmedizin, die Dermatologie, Immunphänomene, Entzündungsphänomene besser auflöst.
00:10:11: Und hier haben wir Spezialisten an der Uni Medizin Mainz, die Sie bestens beraten können.
00:10:15: Und wenn Sie Lust haben, wieder was Neues zu hören, ein neues Thema, dann schalten Sie an.
00:10:19: in vierzehn Tagen, wenn es wieder heißt, Inside Universitätsmedizin Mainz.
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